Zwischen Gras und Liegebox - Wie Milchkühe in Deutschland gehalten werden

BRS Grafik Weidehaltung versus Stallhaltung

Sowohl die Stallhaltung als auch die Weidehaltung bieten Milchkühen verschiedene Vorteile. Die Weidehaltung ermöglicht den Kühen eine große Bewegungsfreiheit und trägt häufig zu einem hohen Wohlbefinden bei. Dies kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Das frische Gras als Futter führt zudem zu einem veränderten Fettsäuremuster in der Milch, wodurch beispielsweise Butter streichfähiger wird. Auch für den Landwirt ergeben sich Vorteile: Der Aufwand für Futterbergung und -aufbereitung sinkt, da die Tiere das Gras direkt aufnehmen. Lediglich für die Stallzeiten, insbesondere nachts oder im Winter, muss zusätzlich Futter bereitgestellt werden. Ein professionelles Weidemanagement ist selbstverständlich ebenfalls arbeitsintensiv und erfordert regelmäßige Pflegemaßnahmen für das Grünland, die Zäune und die Wasserversorgung der Tiere.


Die Weidehaltung wirkt sich jedoch positiv auf die Biodiversität im Grünland aus. Außerdem ermöglicht sie die Nutzung von Flächen, die für andere Bewirtschaftungsformen nur schwer zugänglich sind.

In Deutschland leben rund 87 Prozent der Milchkühe in Boxenlaufställen, etwa 11,5 Prozent in Anbindeställen. In Boxenlaufställen können sich die Tiere frei bewegen und selbst entscheiden, ob sie sich in den Liegeboxen, am Futtertisch oder auf den Laufgängen aufhalten möchten. Auch die ganzjährige Stallhaltung hat Vorteile für die Tiere. Durch eine kontinuierliche, bedarfsgerechte und tierindividuelle Fütterung kann ein stabiler Ernährungszustand erreicht werden. Zudem schützt der Stall vor extremen Witterungsbedingungen wie Hitze, Regen oder Kälte. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Landwirt die Tiere besser kontrollieren kann. Die Stallumgebung lässt sich gezielt reinigen und desinfizieren, wodurch das Risiko von Parasiten- oder Krankheitsübertragungen, wie sie auf der Weide vorkommen, sinkt.

Hochleistende Milchkühe erhalten in der Praxis meist nur teilweise Weidegang, beispielsweise stundenweise oder halbtags. Sie profitieren dadurch sowohl von den Vorteilen der Weidehaltung als auch von der kontrollierten Fütterung und dem Witterungsschutz im Stall.

Zum Zeitpunkt der letzten Landwirtschaftszählung 2020, veröffentlicht vom Statistisches Bundesamt, gab es in Deutschland 54.490 milchviehhaltende Betriebe mit insgesamt rund 3,96 Millionen Milchkühen. 42,9 % der Betriebe gewährten ihren Tieren regelmäßigen Weidegang. Bezogen auf den Tierbestand entspricht dies 30,8 % der Milchkühe. Im Durchschnitt wurde der Weidegang über einen Zeitraum von 25 Wochen pro Jahr mit einer täglichen Weidedauer von etwa 13 Stunden ermöglicht.

Deutliche Unterschiede zeigten sich in Abhängigkeit von der Betriebsgröße. Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Betrieb, desto häufiger wurde Weidegang gewährt. In kleinen Herden mit 10 bis 19 Kühen erhielten durchschnittlich 42,4 % der Tiere regelmäßigen Weidegang. In Betrieben mit mehr als 100 Kühen lag dieser Anteil bei 36,1 %, während er in Herden mit über 200 Tieren auf 17,6 % sank.

Auch regional bestanden erhebliche Unterschiede. Besonders verbreitet ist der Weidegang in den nordwestlichen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein erhielten jeweils mehr als 50 % der Milchkühe regelmäßigen Weidegang. In Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen lag der Anteil bei über 40 %. Die geringsten Werte wurden in den östlichen Bundesländern verzeichnet: In Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Thüringen erhielten im Durchschnitt lediglich etwa 10 % der Milchkühe regelmäßigen Weidegang. Dies liegt zumeist an den deutlich größeren Herden sowie an den fehlenden entsprechend großen Weideflächen in unmittelbarer Stallnähe.


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