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Interview mit Dr. Nora Hammer - BRS als Sprachrohr der modernen Nutztierhaltung

RBZ, Nr. 31 (01.08.2026) - Die freie Journalistin Ramona Schneichel hat für die Rheinische Bauernzeitung ein Interview mit Dr. Nora Hammer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Rind und Schwein e. V. (BRS), geführt. Die Mitglieder des BRS blicken auf eine lange Tradition der heimischen Nutztierhaltung zurück. Heute ist der Verband deutlich politischer, medial präsenter und sichtbarer und setzt sich für Themen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein. Im Mittelpunkt stehen dabei der Erhalt und die Stärkung der deutschen Landwirtschaft.

 

Welches sind die klassischen Kernaufgaben des BRS?

Dr. Hammer - Der BRS vertritt und fördert die deutsche Tierzucht und Tierhaltung, für die Tierarten Rind und Schwein. Es gibt drei übergeordnete Schwerpunkte unserer Tätigkeit. Wir erarbeiten Regeln und Grundsätze für ein einheitliches Vorgehen innerhalb unserer Mitgliedsverbände, z.B. zu Aspekten bezüglich der Zucht. Dieses Aufgabengebiet entspringt der traditionell in den einzelnen Verbänden verankerten Arbeit. Wir arbeiten eng mit der Wissenschaft zusammen und unterstützen Forschungsprojekte auf allen Gebieten der Tierzucht und -haltung. Ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die gemeinsame Interessensvertretung der Landwirtschaft gegenüber der Politik, Behörden und sonstigen Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene.

 

Was ist das übergeordnete Ziel des BRS?

Dr. Hammer - Der Erhalt der deutschen Tierhaltung steht an oberster Stelle, ebenso die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Mitgliedsorganisationen. Der BRS ist das Bindeglied zwischen den Interessen seiner Mitglieder und Dritten, wie Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und anderen Fachverbänden auf nationaler und internationaler Ebene.

Der BRS ist das Sprachrohr der deutschen Rinder- und Schweineproduktion. Als Dachverband fungiert er als zentrale Plattform, auf der gemeinsame Ziele definiert, Strategien abgestimmt und Synergien genutzt werden können. Damit stärken wir die politische und gesellschaftliche Wirkung unserer Mitglieder. Wir machen deren Anliegen nach außen stärker und sichtbarer. Das realisieren wir in unserer fachlichen Arbeit und zunehmend auch mit dem noch jungen Bereich Public Affairs.

 

Welche Rolle spielt Social Media für den Bereich Public Affairs?

Dr. Hammer - Wir haben unsere Social-Media-Aktivitäten im vergangenen Jahr stark ausgebaut und sind mit eigenen Kanälen auf LinkedIn, Facebook und Instagram präsent. Über diese Kanäle erreichen wir mit hoher Effizienz verschiedene Zielgruppen. So ist es möglich, fachliche Informationen zu vermitteln und Imagearbeit für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung zu leisten. Auch unsere Mitglieder abonnieren unsere Social-Media-Kanäle, um immer aktuell über unsere Verbandsaktivitäten informiert zu sein. Darüber hinaus nutzen viele unserer Mitgliedsorganisationen unsere Kanäle als Plattform für die gemeinsame Kommunikation relevanter Branchenthemen. Durch die Bündelung von Reichweiten und die partnerschaftliche Umsetzung gemeinsamer Kampagnen entstehen wertvolle Synergieeffekte für die gesamte landwirtschaftliche Branche. Ergänzend arbeiten wir mit ausgewählten Multiplikatoren und Influencern zusammen, um Fachthemen authentisch zu vermitteln und zusätzliche Zielgruppen zu erreichen. Mit der Mittwochs-Meinung und den Freitags-Fakten nehmen wir Stellung zu wichtigen Themen und bereiten Information gut verständlich auf.

 

Welche Verbindungen gibt es zu anderen Verbänden und zur Politik?

Dr. Hammer - Wir sind eng verzahnt mit der Politik sowie mit anderen Verbänden. Zu aktuellen übergreifenden Themen, wie zur geänderten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung oder zum Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, veröffentlichen die Verbändeallianzen regelmäßig gemeinsame Stellungnahmen.

 

Wie beurteilen Sie die Zukunft der Nutztierhaltung in Deutschland?

Dr. Hammer - Angesichts globaler Krisen spielt die Ernährungssicherheit eine bedeutende gesellschaftliche Rolle. Die weltweite Nachfrage nach tierischen Produkten und hochwertigem Eiweiß ist hoch und wird weiter steigen. Die Weltbevölkerung wächst. In Schwellenländern wie Indien steigt der Fleischverzehr. Tierische Produkte sind zwar zentral für die Ernährungssicherung, ihr Angebot ist jedoch von politischen und strukturellen Rahmenbedingungen abhängig.

Die Standards der deutschen Landwirtschaft in Bezug auf Produktqualität, Lebensmittelsicherheit, Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz sowie den schonenden Umgang mit Ressourcen gehören weltweit zu den höchsten. Unsere nationalen Vorgaben sind meist deutlich strenger als im EU-Vergleich. Deutsche Regularien sind zu oft Insellösungen. Im europäischen Ausland verzeichnen die Landwirte daher teils deutlich geringere Kosten für die Erzeugung tierischer, auch pflanzlicher Lebensmittel. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen und letztlich zu einer Verlagerung der Produktion ins Ausland. Das deutsche Inseldenken mit immer mehr Auflagen für unsere Landwirte führt zu einem dramatischen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Spezialisierte Premium- und Qualitätssegmente mit entsprechender Kennzeichnung haben zwar bessere Chancen. Es handelt sich hier aber um ein Nischensegment.

Es gibt verschiedene Einflussfaktoren, die sich auf die Nutztierhaltung der Zukunft auswirken: Dazu zählen das Angebot und die Nachfrage nach tierischen Produkten, der Strukturwandel in der Landwirtschaft, geopolitische Rahmenbedingungen, der Klimawandel, die Chancen durch künstliche Intelligenz sowie die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels. Deutschland ist aufgrund guter Böden und ausreichender Niederschläge ein begünstigter Standort für die landwirtschaftliche Erzeugung. Zudem sind wir durch unsere breite Forschungslandschaft sehr innovativ. Die heimische Landwirtschaft arbeitet bereits jetzt auf einem sehr hohen Niveau. Gleichzeitig bieten Digitalisierung, moderne Zuchtverfahren und innovative Managementsysteme große Chancen für die Weiterentwicklung der Nutztierhaltung. Durch Fortschritte in den Bereichen Tiergesundheit, Tierwohl, Ressourceneffizienz und Klimaschutz können landwirtschaftliche Betriebe ihre Produktion noch nachhaltiger und zukunftsfähiger gestalten. Deutschland verfügt hierfür über hervorragende Voraussetzungen in Forschung, Beratung und Praxis.

Nun ist die Politik gefragt: Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, die faire Wettbewerbsbedingungen ermöglichen. Landwirte dürfen nicht vor unlösbaren Aufgaben stehen, die ihre Produktion hochwertiger Lebensmittel blockieren. Wir erleben derzeit ein historisches Höfesterben. Eine Abwanderung der Landwirtschaft in Länder mit geringeren Standards wäre jedoch auch für die Verbraucher nachteilig. Die aktuelle Bundesregierung mit Landwirtschaftsminister Alois Rainer bekennt sich klar zur Nutztierhaltung in Deutschland. Das zeigt auch seine Reise nach Japan und China, die wir als BRS begleitet haben. Deutsche Lebensmittel haben einen hervorragenden Ruf. Das müssen wir nutzen, erhalten und stärken, nicht mit weiteren bürokratischen Hürden ausbremsen.

 

Die deutschen Schweinehalter stehen massiv unter Druck. Womit kämpfen die Betriebe?

Dr. Hammer - In der Schweinebranche kämpfen die Landwirte ums Überleben. Mastschweinebetriebe befinden sich in einer teils dramatischen Situation, die durch den aktuell bodenlosen Preisverfall bei weiterhin steigenden Produktionskosten verschärft wird. Im vergangenen Wirtschaftsjahr 2024/2025 haben Schweinehalter nach Abzug von kalkulatorischen Fixkosten im Schnitt 68 € Verlust eingefahren und das laufende Wirtschaftsjahr wird voraussichtlich ebenfalls defizitär enden. Verlustphasen sind in der Schweinehaltung keine Neuerung, jedoch stellen Marktexperten fest, dass diese inzwischen deutlich länger anhalten und in erhöhter Frequenz vorkommen. Alle Marktpartner müssen dringend ein positives Signal setzen und sich zum Standort Deutschland bekennen. Der LEH setzt seit einiger Zeit gezielt auf Ware aus deutscher Produktion. Im Außer-Haus-Verzehr / der Systemgastronomie vermissen wir dieses Bekenntnis allerdings. Insbesondere Fleischwaren werden hier günstig aus dem Ausland bezogen. Verbraucherinnen und Verbraucher haben oftmals keine Möglichkeit, sich über die Herkunft der Produkte bei diesen Absatzkanälen zu informieren.

Die Schweinehalter in Deutschland sehen sich leider mit weiteren bürokratischen Auflagen konfrontiert. Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz soll zukünftig neben der privatwirtschaftlichen Ausweisung der Haltungsform, Verbraucherinnen und Verbraucher neutral informieren. Der Gesetzentwurf führt zu viel Verwirrung. Die Haltungsformkriterien werden in den Bundesländern unterschiedlich ausgelegt. Registrierung und Überwachung sind nicht bis zum Schluss durchdacht. Auch der bürokratische Aufwand steigt, anstatt geringer zu werden. Positiv an dem Entwurf, dass künftig auch Ferkelerzeuger im Ausland darlegen müssen, dass sie die in Deutschland geltenden Tierwohlanforderungen in Bezug auf die Sauenhaltung und bei der Ferkelkastration erfüllen, wenn Produkte mit Stufe 2+ vertrieben werden sollen. Damit würde der in Deutschland betriebene Mehraufwand honoriert. Leider wurden die Anmerkungen der Verbändeallianz zum neuen Gesetzesentwurf von Seiten des BMLEH nicht gehört, bevor das Ministerium ihn zur Notifizierung nach Brüssel geschickt hat.

Die heimische Schweinehaltung steht aufgrund der deutlich verschärften Rahmenbedingungen mit fehlender Planungssicherheit vor einem drastischen Strukturwandel. Durch die Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, (TierSchNutztVO) müssen Sauenhalter viel Geld in Ihre Ställe investieren, um künftig noch Tiere halten zu dürfen. Die Anforderungen gehen, wieder einmal, weit über EU-Standards hinaus. Mehrerlöse wird es für die Ferkelerzeuger nicht geben. Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Ohne eine Förderung sind die erheblichen Kosten nicht mehr zu stemmen. Daher fordert der BRS zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Verbänden ein nationales Sonderprogramm Sauenhaltung, um den drohenden Strukturbruch zu verhindern und einen Bestandsschutz bestehender Anlagen zu gewährleisten.

Die ITW-Nämlichkeit soll ab 2027 umgesetzt sein, das heißt ITW-Ferkelerzeuger liefern an ITW-Mäster. In den vergangenen Monaten zeigte sich jedoch, dass die ITW-Kette bei weitem noch nicht auf nämlich umgestellt ist. Es ist zu befürchten, dass die Warenverfügbarkeit zum Ende des Jahres absinken wird. Die Branchenbeteiligten setzen alles daran, das Ferkel-Delta zu verkleinern, um einen großen Bruch zu verhindern. Die Landwirtschaft wünscht sich einen Übergangsfonds, um ihrerseits den Grad der Nämlichkeit in der Kette zu erhöhen.

Auf weniger Bürokratie hofft die Branche beim Genehmigungsrecht. Der aktuelle Entwurf zum Baugesetzbuch (BauGB) sieht eine Erleichterung bei Bau- und Umbauvorhaben in der Tierhaltung vor. Das Gesetz entkoppelt sich vom Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) und wird somit flexibler anwendbar.

Auf europäischer Ebene werden die einheitlichen Betriebsvorschriften (UCOL) zur Emissionsminderung final abgestimmt. Deutschland muss das nun zügig in nationales Recht umwandeln. Aufgrund der Industrieemissionsrichtlinie sind künftig auch kleine Schweinehaltungsbetriebe dazu verpflichtet, emissionsmindernde Maßnahmen anzuwenden. Die bisher zur Verfügung stehenden Techniken nach deutschen BVT-Kriterien (beste verfügbare Technik) waren bislang recht restriktiv. Nun besteht Hoffnung, dass in Zukunft auch Minderungsmaßnahmen in Deutschland anerkannt werden, die im europäischen Ausland schon zugelassen sind.

Ein weiteres Damoklesschwert für die deutsche Schweinehaltung sind Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest (ASP). Diese hat die Branche schwer getroffen, weil aufgrund der Ausbrüche der Zugang zum Weltmarkt teils deutlich eingeschränkt ist. Die hiesige Schweinehaltung verliert an Resilienz, weil das Ausweichen auf andere Märkte schwierig ist. Wegen der vorgenannten Rahmenbedingungen haben nur sehr wenige Schweinehalter in Deutschland in den vergangenen Jahren Gewinne erzielen können.

 

Stichwort Schweinezucht – wie sieht die Entwicklung aus?

Dr. Hammer - Sowohl in der Ferkelerzeugung als auch in der Schweinemast haben unsere Schweine ein sehr gutes Leistungsniveau erreicht, das sich auch im weltweiten Vergleich sehen lassen kann. Lange Jahre wurde der Fokus auf die Leistung gelegt. Das Mindset hat sich aber bereits vor zirka 15 Jahren geändert, vor allem auch wegen der gesellschaftlichen Anforderungen an Tierwohl und Tierschutz. Die Zuchtorganisationen legen viel Wert auf Vitalitätsmerkmale, Mütterlichkeit und Milchleistung der Sauen, Robustheit und Gesundheit der Tiere. In Zeiten der Debatte um nachhaltige Lebensmittelerzeugung nimmt auch die weitere Verbesserung der Futterverwertung in Ferkelerzeugung und Mast einen zunehmend hohen Stellenwert ein. Wir stellen allerdings in der Schweinezucht fest, dass Deutschland im internationalen Vergleich etwas abgehängt wird. National agierende Zuchtunternehmen haben gegen große globale Player kaum eine Chance.

 

Welches sind die Schwerpunkte im Bereich Rind?

Dr. Hammer - Auch im Rinderbereich spielen politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine erhebliche Rolle. Eine weitere Beschleunigung des Strukturwandels wird es unter anderem durch das Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung geben. Die Kosten für die Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung sind für die Bauern kaum zu schultern. Ohnehin sind die Baukosten für Kuh- und Kälberställe extrem gestiegen. Des Weiteren stehen Bau- und Genehmigungsrecht einem Umbau häufig im Wege, sodass es ausreichende Übergangszeiten und die Möglichkeit zu einer Kombihaltung geben muss.

Ein weiteres aktuelles Thema in der Rinderhaltung ist die Umsetzung des Tierarzneimittelgesetzes mit der weiteren Minimierung des Antibiotika-Einsatzes. Dieser ist in den vergangenen Jahren deutlich rückläufig. Grund dafür sind gezielte Vorbeugemaßnahmen und ein deutlich besseres Gesundheitsmanagement in der Erzeugerstufe.

Tiertransporte im Allgemeinen und speziell in Drittländer stehen zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit. Unsere Mitgliedsverbände agieren hier sehr proaktiv mit dem Ziel, die hohen deutschen Standards über die Grenzen hinaus einzuhalten. Veterinärzertifikate sind in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Der Export von deutschen Rindern, Embyronen und Sperma spielt für die Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe eine bedeutende Rolle. Dies gilt es durch Harmonisierung der Standards zu erhalten und zu stärken.

Tierseuchen sind für die Rinderbetriebe eine ernstzunehmende Bedrohung. So kommt es immer wieder zu Ausbrüchen der Blauzungenkrankheit (BTV). Impfstoffe gegen BTV-3 und BTV-8 stehen zur Verfügung und sollten flächendeckend eingesetzt werden, um die Krankheit dauerhaft einzudämmen.

Experten sehen auch in neuen Tierseuchen, wie Epizootische Hamörrhagische Krankheit (EHD) und Lumpy Skin Disease (LSD) eine konkreter werdende Gefahr für unsere Betriebe.

Was uns als BRS zudem beschäftigt, ist der Umgang mit dem Wolf in Bezug auf die Weidetiere. Die Aufnahme ins Jagdgesetz ist der richtige Schritt, um die Nutztiere effizient vor Übergriffen zu schützen.

Eine sehr positive Entwicklung verzeichnen die deutschen Milchviehbetriebe hinsichtlich der Eutergesundheit, wie aktuelle Auswertungen aus dem Monitoring-Programm Qcheck zeigen. Die Vorbeuge und Früherkennung spielen eine zunehmende Rolle in den Betrieben. Das führt zu niedrigeren Krankheitsraten und deutlich gesünderen Beständen.

 

Wohin geht die Reise in der Zucht beim Rind?

Dr. Hammer - Ein aktuelles Thema ist der Umgang mit Neuen Genomischen Techniken (NGT), im Rinder- wie im Schweinebereich. Dazu haben wir im April ein Positionspapier erstellt. Darin geht es nicht um ein Für oder Gegen einzelner Technologien, sondern um die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Nutztierhaltung. Das Positionspapier soll das positive Potenzial von NGT für die Tierzucht in Punkto Tierwohl und Tiergesundheit rechtlich nutzbar machen. Gleichzeitig soll es einen rechtlich verbindlichen Schutz für Landwirte und Verbände ermöglichen, die auch zukünftig NGT-frei züchten werden.

Die Entwicklung und Einführung neuer Zuchtwerte geht in unseren Mitgliedsverbänden voran. Beispiel sind die Beef-on-Dairy-Zuchtwerte. Mittlerweile liegt der Anteil an Besamungen mit Sperma von Fleischrassen bei den Holsteins bei rund 25 Prozent. Eine steigende Anzahl der Betriebe nutzt die genomische Typisierung der weiblichen Tiere (Herdentypisierung), um die beste Nachzucht zu selektieren und Jungrinder sowie Kühe ideal anzupaaren. Dies ermöglicht einen schnelleren Zuchtfortschritt und geht Hand in Hand mit der Strategie Beef-on-Dairy. In diesem Jahr feiert das Projekt KuhVision sein zehnjähriges Jubiläum. Im Rahmen des Projekts wurden erstmals weibliche Tiere genomisch typisiert und Gesundheitsdaten standardisiert erfasst. Auf Basis der Daten aus KuhVision konnten unter anderem die direkten Gesundheitszuchtwerte für Holsteins entwickelt werden (RZGesund).

Mit dem Projekt MethaBreed wird ein neuer Zuchtwert für Methanausstoß bei Holstein entwickelt. Die Universitäten Gießen, Kiel und Hohenheim sowie das vit unter Koordination des FBF und mit Mitarbeit der Zuchtverbände und des BRS verfolgen das Ziel, eine Datengrundlage zu schaffen, um standardisierte Zuchtwerte für Methanemissionen zu berechnen. Neben den Projektpartnern engagieren sich aktuell vier Praxisbetriebe für die erfolgreiche Durchführung des Projekts. Futteraufnahme-Daten werden über CFIT-Kameras erfasst und die Methanemissionen über sogenannte Sniffer gemessen.

Hinsichtlich der internationalen Zuchtwertschätzung arbeiten wir erfolgreich im EuroGenomics-Verbund. Dabei geht es um Austausch der Zuchtwerte, Testen von Bullen in unterschiedlichen Systemen, Veröffentlichung ausländischer Bullen mit deutschen Zuchtwerten gegen Gebühren etc. (Genomischer Service).

Am 18. Juli unterzeichnen die europäischen Akteure die Gründungsdokumente von EBE - European Bovine Evaluation. Die Mitgliedsorganisationen von NAV (Nordic Cattle Genetic Evaluation FIN, SWE, DK), vit (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung e.V.) und der französische Verband ELIANCE haben eine Vereinbarung zur Schaffung eines europäischen Zuchtwertschätzsystems für die Rinderzucht unterzeichnet. Dieses Zuchtwertschätzsystem wird zunächst Rinder aus neun Ländern umfassen, die zusammen mehr als 50 % der europäischen Milchproduktion repräsentieren.


Rentenbank

mit Unterstützung der
Landwirtschaftlichen Rentenbank

Bundesverband Rind und Schwein e.V. (BRS)
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