Ökobilanz & Landwirtschaft

16.06.2016

Regionale versus importierte Lebensmittel

Die Behauptung, dass regional erzeugte Lebensmittel generell eine bessere Ökobilanz vorweisen, wie global gehandelte Waren, stimmt per se nicht.  So können z.B. heimische Produkte wie Äpfel, Fruchtsäfte, Lamm- und Rindfleisch mehr Treibhausgase verursachen, als über weite Strecken transportierte Produkte. In Deutschland können viele Agrarprodukte nur über einen kurzen Zeitraum geerntet werden. Damit sie ihre hohe Qualität behalten, müssen sie i.d.R. Energieintensiv gelagert werden. Der Transportweg eines Lebensmittels sagt heute i.d.R. wenig über seine Umweltfreundlichkeit aus. Das Einkaufsverhalten der Verbraucher schlägt hier viel stärker zu Buche.

Der Transport größerer Lebensmittelchargen per Schiff aus Übersee ist u.U. ökologisch effizienter als der Transport über kurze Wege mit kleinen Mengen in kleinen Transportfahrzeugen innerhalb einer Region. Auch ist der ökologische Einfluss der Transportentfernung geringer als der Einfluss der Betriebsgröße. Je mehr erzeugt wird, desto besser ist die Auslastung teurer Produktionsfaktoren und desto geringer ist die Umweltbelastung je Mengeneinheit.

 

16.06.2016

Ökologische versus konventionelle Landwirtschaft

Eine Studie zum Vergleich der Klimabilanzen von ökologisch und konventionell bewirtschafteten landwirtschaftlichen Unternehmen deckte sehr individuelle, betriebliche Ergebnisse auf. So waren die Unterschiede zwischen einzelnen ökologischen Betrieben oft größer als die Unterschiede zwischen ökologischen und konventionellen Höfen. Letztlich hing das Ergebnis von der Betriebsstruktur, der Bewirtschaftungsintensität sowie der Verfahrensgestaltung des einzelnen Betriebes ab und nicht davon, ob es sich um einen konventionellen oder Bio-Betrieb handelte.  Auch andere Untersuchungen bestätigen, dass ein gut geführter konventioneller Betrieb alle Anforderungen einer nachhaltigen Wirtschaftsweise erfüllt.  

Wenn man die Fläche als Vergleichsbasis zugrunde legt, erzeugt der Öko-Landbau zwar geringere CO2-Emissionen als der konventionelle Landbau, bezieht man die Emissionen jedoch auf das Produkt, nivellieren sich die Unterschiede. Grund ist das niedrigere Ertragsniveau. So erreichten die Getreideerträge des Öko-Landbaus im 11-jährigen Mittel nur knapp 46 % des Ertragsniveaus der konventionellen Bewirtschaftung. Das führt dazu, dass die produktbezogenen Emissionen der unterschiedlichen Landbauformen beim Pflanzenbau geringe bzw. keine Unterschiede aufweisen, während sich z.B. in der Milchproduktion Vorteile für die konventionelle Haltung ergaben.

Um die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu decken, fordern Wissenschaftler eine weitere nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft. Würde man Deutschland auf eine ökologische Bewirtschaftung umstellen, könnten nur 50 % der Bevölkerung ernährt werden. Schon heute führt die steigende Nachfrage nach Bioprodukten zu steigenden Importen. Damit werden Drittländern Ressourcen in Form von Ackerland, Wasser und Energie entzogen.

 

16.06.2016

Einkaufsverhalten der Konsumenten

Der mit dem Einkaufsverhalten verbundene Energiebedarf ist zum Teil höher als der Energiebedarf aller anderen Aufwendungen für die Produktion, Verarbeitung, Verpackung und den Transport des Produktes zusammen. Kunden von Biomärkten verursachten im Schnitt für ihre Einkaufswege mehr als das Dreifache der Emissionen, die durch einen Durchschnittseinkäufer verursacht wurden. In den Untersuchungen wurde dies damit begründet, dass Bio-Kunden meist weniger einkaufen und längere Einkaufswege zurücklegen als Supermarkt-Kunden.
 

16.06.2016

Bedeutung des internationalen Agrarhandels

Die Europäische Union gehört zu den Weltregionen, die besonders viele Agrargüter exportiert und importiert. Durch internationalen Agrarhandel steht deutschen Verbrauchern eine Lebensmittelvielfalt zur Verfügung, die vor 50 Jahren undenkbar erschien. Ohne die Möglichkeit des Imports wäre die Verfügbarkeit und Vielfalt der Lebensmittel während des Jahres auf saisonale Produkte beschränkt. Die Mehrheit der Verbraucher will das nicht.

Ein freier internationaler Handel ist ökologisch sinnvoll, wenn die Produktion oder der Anbau dort erfolgt, wo die günstigsten Produktionsbedingungen vorliegen. So ist Deutschland z.B. aufgrund seiner Wasser- und Futterversorgung sowie seiner hohen Produktionsstandards für die Tierhaltung prädestiniert. Mit dem Export veredelter Produkte schont Deutschland auch die Ressourcen der Importländer. Der globale Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen soll allein im Jahr 2005 die für die Welternährung nötige globale Ackerfläche um etwa 82 Mio. Hektar reduziert haben. Seitdem ist der Handel weiter ausgedehnt worden. Kritiker des Trends zur Regionalisierung glauben sogar, dass Lokalismus letztlich einen gesellschaftlichen Rückschritt in Subsistenzwirtschaft und Armut darstellt, u.a. weil es agrarisch geprägte Volkswirtschaften vom Handel und damit von der Einkommenssicherung ausschließt.