ISN-Umfrage zur Nämlichkeit in der ITW
AgE - Bei der Initiative Tierwohl (ITW) droht ab 2027 ein erheblicher Einbruch der Tierzahlen durch die dann verpflichtende Nämlichkeit. Zu diesem Schluss kommt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), nachdem sie im März eine Umfrage unter Sauenhaltern und Schweinemästern durchgeführt hat.
Laut der jetzt vorliegenden Auswertung droht ein massiver Ausstieg von ITW-Mästern aus dem System. Es gibt zwar auch Mäster, die ihre ITW-Teilnahme in die Nämlichkeit bringen oder ganz neu in die ITW einsteigen wollen. Der bislang große Anteil der nicht namentlich erfassten ITW-Schweine könne laut den Befragungsergebnissen aber nur zu etwa 11 % in die Nämlichkeit überführt werden. Damit würde sich die Zahl der ITW-Schweine um mehr als die Hälfte reduzieren und nur noch 34,6 % der Mastplätze ausmachen, so die ISN.
Der wichtigste der zehn meistgenannten Gründe, weshalb Schweinemäster nicht in die ITW oder die Nämlichkeit einsteigen wollen, ist die Nicht-Teilnahme des aktuellen Ferkellieferanten. Außerdem wollen die Mäster langjährige Lieferbeziehungen nicht gefährden. Auf den Plätzen drei und vier folgen Belastungen durch zusätzliche und unangekündigte Audits sowie Nebenkosten durch Audits. Auf Platz fünf liegt eine geringe Rentabilität von Investitionen.
Bei den Sauenhaltern zeichnet die Umfrage ein ganz anderes Bild. Demnach wird der Anteil der ITW-Sauen trotz der Nämlichkeitsvorgabe um etwa 4 Prozentpunkte auf 51,8 % ansteigen. Grund dafür ist, dass ein Großteil der Sauenhalter ohne Nämlichkeit beziehungsweise mit einer noch nicht vollständigen Nämlichkeit eine vollständige Nämlichkeit anstrebt. Außerdem wollen Sauenhalter ohne ITW ab 2027 an dem System teilnehmen. Bei den Sauenhaltern liegen die Belastungen durch zusätzliche und unangekündigte Audits mit Abstand vorne, wenn es um die Gründe geht, weshalb nicht in die ITW oder die Nämlichkeit eingestiegen wird. Genannt wurden außerdem das Fehlen von Fensterflächen für Tageslicht und Zweifel an der Marktlösung bei der Entlohnung. Zudem wird das Tierwohlentgelt als zu gering eingeschätzt. Kritisiert wurde auch, dass die Umstellung auf die Nämlichkeit zeitlich mit dem gesetzlich geforderten Umbau der Sauenhaltung kollidiert.
An der Befragung nahmen laut ISN 591 Mast- und 312 Sauenhaltungsbetriebe teil. Auf diesen Höfen wird etwa ein Zehntel der Mastschweine und 11,5 % der Sauen in Deutschland gehalten. Ungefähr die Hälfte der Sauenplätze aus der Befragung ist aktuell ITW-zertifiziert. Insgesamt ist somit ein Viertel der Sauenplätze ITW-zertifiziert. In der Schweinemast sind drei Viertel der Mastplätze ITW-zertifiziert, aber nur gut ein Drittel davon ist ITW-nämlich. Damit sind 28,3 % der Mastplätze ITW-zertifiziert.
Nach Einschätzung der ISN liefert die Umfrage einen guten Einblick und eine gute Vorausschätzung dafür, was ab 2027 durch die Einführung der verpflichtenden Nämlichkeit passieren wird. Auf dieser Basis geht es nun darum, Lösungen zu finden, die es den Betrieben ermöglichen, an der ITW teilzunehmen.