29.06.2018rss_feed

Es fehlt an Nutztierärzten

Ende des Jahres endet die Frist für die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel, die derzeit nur mit Schmerzmitteleinsatz durchgeführt werden darf - in Deutschland. Das Dilemma: die derzeit diskutierten Alternativen weisen offene Fragen auf, die bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet wurden. Zudem fehlt es an Marktsignalen, damit Ferkelerzeuger planen können. Experten fordern daher in einem gemeinsamen Positionspapier u.a. mehr Zeit für die Suche nach praxistauglichen und Markt konformen Lösungen - wie in Österreich.
Auch das BMEL hat das Problem erkannt und möchte z.B. die Situation etwas entspannen, in dem es die Anwendung von Isofluran durch den Landwirt prüft und Forschungsgelder für die Suche nach weiteren Alternativen frei gegeben hat. Dagegen wehrt sich die Bundestierärztekammer in einer Pressemeldung. "Anästhesie gehöre nicht in Laienhand", heißt es dort lapidar. Damit steht die Berufsvertretung ziemlich alleine in Europa: in der Schweiz ist die Anwendung von Isofluran durch Landwirte erlaubt. Die skandinavischen Vorzeigeländer in Sachen Tierschutz testen gerade eine Lokalanästhesie durch Landwirte und auch aus Österreich kommen entsprechende Signale.
Dass hier dringend etwas passieren muss, zeigt allein ein Blick auf die Zahl der Nutztierärzte. Die Zahl der zugelassenen Ärzte betrug 2017 gerade einmal 1.125 Veterinäre, 50 % weniger, als noch vor 10 Jahren und davon vermutlich die Hälfte spezialisierte Schweine-Fachtierärzte. Bliebe die BTK bei ihrer Einschätzung, wären künftig drei Viertel dieser Fachtierärzte mit nichts anderem beschäftigt, als Ferkel zu kastrieren. Es ist unwahrscheinlich, dass dadurch die Attraktivität für ein Veterinärstudium steigt.

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