19.10.2022rss_feed

Ernährungslehre als nährstoffzentriertes Dogma?

Empfehlungen zur Reduzierung bestimmter Lebensmittel beruhen häufig auf isolierten Ernährungskriterien und ignorieren die umfassenderen physiologischen und gesellschaftlichen Vorteile sowie die mit einer Reduzierung verbundenen Kompromisse. Diese Thesis erörterten die Autoren Prof. Frédéric Leroy, Ty Beal, Prof. Pablo Gregorini, Dr. Graham A. McAuliffe und Prof. Stephan van Vliet in ihrer Studie Nutritionism in a food policy context: the case of animal protein aus dem Jahr 2021


Demnach kann eine einseitige Betrachtungsweise dazu führen, dass Lebensmittel versehentlich oder möglicherweise auch absichtlich als gut oder schlecht gekennzeichnet werden. Zu den gegenwärtigen Problemen gehöre die unverhältnismäßige Stigmatisierung von Lebensmitteln tierischen Ursprungs als schädlich für die menschliche und die globale Gesundheit. In ihrer stärksten Ausprägung würden Lebensmittel tierischen Ursprungs als eine an sich schädliche Lebensmittelkategorie dargestellt, die es zu minimieren gilt, wobei fälschlicherweise angenommen werde, dass Nahrungsproteine ernährungsphysiologisch austauschbar sind. Mehrere essenzielle Nährstoffe seien in tierischen Lebensmitteln in der Regel besser bioverfügbar als in pflanzlichen Lebensmitteln. Ernährungs- und Umweltkennzahlen sollten sorgfältig interpretiert werden, da sie in erheblichem Maße kontextabhängig sind. Auch die Bewertungen der Umweltauswirkungen würden einen differenzierten Ansatz erfordern, insbesondere wenn ein Produkt auf der Systemebene untersucht wird. Schaden und Nutzen seien vielschichtig und mehrdimensional und ließen sich nur schwer auf der Grundlage der oft verwendeten einfachen Bezugsgrößen (z. B. CO 2-eq/kg) messen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung solle aus pflanzlichen und tierischen Produkten bestehen, so die Autoren der Studie, und auch unterbewertete Vorteile wie Geselligkeit und gemeinsame Traditionen einbeziehen, um von einem nährstoffzentrierten Dogma wegzukommen. Der Mensch konsumiere keine isolierten Nährstoffe, sondern Lebensmittel, und zwar als Teil kulturell komplexer Ernährungsmuster, die bei der Gestaltung der Lebensmittelpolitik sorgfältig berücksichtigt werden müssten.


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